Das dicke Schiff

Wir haben in Schweden ein gebrauchtes Zweierkajak erwerben können. Das Boot wurde vormal von einem älteren Ehepaar gefahren. Allerdings haben diese beiden nun nicht mehr den Elan und die körperlichen Voraussetzungen den K2 ins Wasser zu lassen und zu fahren. Das Boot ist ein echter Klopper. Etwas über 6 m lang, gute 75 cm breit, zwei richtig fette Stauräume, Smart-Track Steuer und ein knackiges Gewicht von 38 kg (wieder mit der Personenwaage das stehende Boot gewogen). Läuft aber wie Teufel (na ja) und läßt sich mittels Steuer klasse manöverieren.

Allerdings hat uns vor der ersten Nutzung ein Haufen Arbeit erwartet. Das Boot lag mehr als 4 Jahre unter einer Abdeckplane an einem Campingplatz und wurde im Lauf dieser Zeit von allerlei Getier als Wohn und Brutstätte genutzt. Das Boot war im Grunde genommen ein Moosklumpen, von dem gelben Deck und dem weißen Unterschiff war nur nach intensiven Reiben etwas zu sehen. Aber dank eines schwedischen Autowaschparks, powered by Kärcher, und gefühlten 4 Stunden Hardcorereinigung wurde aus dem grünen Klumpen ein stattliches, gelbes, Ding. Auch das Gewicht reduzierte sich nachdem ein Kubikmeter Erde und Käferscheisse entfernt war. An Paddeln war aber noch nicht zu denken.

Sicherheit und Technik gehen vor

imageBevor es mit der Restaurierung und Wiederherstellung des Bootes weitergehen sollte, wollten wir allerdings die Fahreigenschaften des Bootes erkunden und testen. In dem aktuellen Zustand des Bootes fehlte es aber an einigen, Sicherheitsrelevanten, Merkmalen. Alle Decksleinen und Bespannungen waren in einem erbärmlichen Zustand, an Sicherheitsreserven nicht zu denken. Also alles runter und neu auftakeln. Inzwischen haben wir auch herausfinden können, das es sich um ein Boot aus der Werft von Point 65° N handelte, tief unter allem Dreck erschien ein Aufkleber des Herstellers. Dazu passte auch das Layout der Decksleinen. Ich habe noch nie ein Point 65° N Kajak sehen können wo die Decksleinen stramm und frei von Tüddeleien war. Auch die Toggel schlackerten doof, an Bug und Heck, herum und nervten schon als wir das Boot noch auf dem Autodach hatten.

Nach weiteren 2 Stunden waren alle Decksleinen und Gummis erneuert, die Toggel nach einer neuen Idee „wackelfrei“ montiert und die Dyneema Leinen zum Steuer ersetzt. Dummerweise, den statt der Seilerei hätte das Boot noch mehr Reinigung erfahren müssen, denn nun kamen unzählige Kratzer im Gelcoat zum Vorschein und einer ordentlichen Lackreinigung und Aufbereitung waren die neuen Leinen nun im Weg 🙁

Erste Probefahrt

Wir haben uns dann trotz der optischen Defizite zu einer Probefahrt entschlossen und das dicke Schiff in Rünthe zu Wasser gelassen. Ob es wohl dicht ist oder ob es uns unter dem Hintern absaufen wird? Bewaffnet mit Schwämmen und Lappen sind wir dann Richtung Hamm losgepaddelt. Die Steuerpedale quietschten wir verrückt und quittierten jeden Tritt mit einem markigen Ton. Die Funktionen waren aber tadellos und das Boot zeigte seine Qualitäten. Einmal auf Tempo gebracht, lief es mit einer minimalen Bugwelle und zeigte sich trotz der Länge ausgesprochen wendig. Allerdings ist an eine Geradeausfahrt ohne Steuereinsatz nicht zu denken. Zufrieden mit dem Zustand des Bootes, laden wir es aufs Auto und fahren nach Hause um das nächste Problem zu finden.

Lagerung

Wir hatten die ganze Zeit fast keinen Gedanken daran verschwendet, das Boot unterbringen zu können. Der Plan war, es neben unserem Wohnwagen, in eine Plane gewickelt abzulegen! Pustekuchen, den der Betreiber des Stellplatzes untersagte uns dieses schlichtweg 🙁 Er hätte Angst das jemand über das Boot fahren oder stolpern könnte – Völliger Blödsinn und einen Haftungsausschluss, von uns, wollte er auch nicht. Idiot!
Nun lag das gute Stück also die Woche über, angekettet, an unserem PKW Stellplatz und harrte dem weiteren Einsatz entgegen. Dieser sollte am kommenden Wochenende erfolgen. Allerdings waren die Arbeiten am Boot noch nicht abgeschlossen.

Bei unserer ersten Probefahrt nervte es ungemein, vor der Sitzluke, auf ein Wirrwarr von Kratzern sehen zu müssen. Einige sehr tiefe aber noch viel viel mehr oberflächliche Kratzer boten einen sehr unschönen Anblick, den wir so nicht hinnehmen wollten. Was tun??

Schleifen und Polieren

imageGenau, schleifen und polieren. Dazu hatte ich aus dem Baumarkt extra Schleifpapier mit einer 1000er Körnung geholt. Dieses sollte die Oberflächlichen Kratzer soweit ausschleifen das es wieder zu einer ebenen Oberfläche kommen würde. Klappte auch wirklich gut, sicherheitshalber wurde alles nass geschliffen, und nach 4 Stunden sah das Boot zwar sehr matt  aber relativ unverkratzt aus. Cool, nun sollte es an die Wiederherstellung des Gelcoats gehen, damit meine ich das es wieder glänzen sollte. Leider haben wir hier aber nicht das optimale Ergebniss erzielen können. Normale Politur war einfach zu fein um die matte Oberfläche wieder hinzubekommen. Die Shops der Autoersatzteilbranche waren leider schon geschlossen und nur im Baumarkt fanden wir noch eine etwas gröbere Autopolitur/Schleifpaste. Natürlich waren uns die Decksleinen und Bespannungen wieder im Weg und verhinderten den Einsatz der Poliermaschine 🙁 Mit viel Muskeleinsatz und Handbetrieb ging es dann aber so einigermaßen und es stellte sich wieder ein gewisser Oberflächenglanz ein 🙂 Zwar noch nicht volle Kanne, aber immerhin.

Probefahrt #2

Wieder sollte es der Hamm-Datteln Kanal sein der uns das Boot näher bringen sollte. Und so ging es dann mit einem deutlich hübscheren Boot los in Richtung Hamm. Uns entgegen kommende Motoryachten mit ihren verschiedenen Bugwellen brachten das dicke Schiff kaum ins Wanken und liefen absolut trocken am Boot vorbei. Bis zu unserem Wendepunkt, am häßlichsten Yachtliegeplatz in Hamm, war alles echt easypeasy und schön zu paddeln. Auf dem Rückweg allerdings kam ein großer unbeladener Frachter von hinten auf der, nach unserem Gefühl, ordentliches Tempo für den schmalen Kanal drauf hatte. Und kaum hatte uns der Bug passiert ging das Rodeo in den Kreuz- und Reflektionswellen los. yiiihhaahh, obwohl es im ersten Moment ganz schön mulmig schmeckte passierte uns der Frachter  ohne das wir kenterten. Minutenlang waren wir noch mit dem Ausgleichen der Reflektionswellen beschäftigt. Langeweile kam keine auf. Den Rest des Rückwegs versuchten wir dann, mittels eines Handtuches als Segels, den kräftigen Rückenwind auszunutzen. Das provisorische Segel füllte sich auch klasse mit Wind auf und stellte unseren  K2  dann auch fast sofort quer in den Wind weil wir eben aus der hinteren Luke den Segelversuch starteten. Beim nächsten Mal wollen wir versuchen aus der vorderen Luke ein Segel aufzuspannen. Die Rückfahrt verlief dann auch ganz ruhig und wir packten das schwere Boot wieder aufs Dach um in Unna weiter nach einem Liegeplatz zu suchen.

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 Das verwendete Artikelbild stammt von Free Boat Clip Art Images

Oli

Dahinter verbirgt sich Oliver Walther, ein Internetenthusiast aus Unna. Neben ganz viel Themen rund um das Kajak fahren und Outdoor sein, soll dieser Blog ein bunter Mix vieler spannender Themen sein. Neben der Erreichbarkeit über das Kontaktformular kann alles auch via Twitter verfolgt werden ;-) Wer sich für alles rund um Autos und Motorsport interessiert wird in meinem anderen Blog Der Auto Blogger fündig.

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